Mein Friseur hält dicht.

Veröffentlicht am 01.12.2014

Haben Sie Geheimnisse? Keine Angst, ich will das nicht wirklich wissen. Ich frag nur mal so. Nein, Sie haben keine Geheimnisse? Gut, dann frag ich trotzdem mal weiter. Dürften Sie denn Geheimnisse haben – falls Sie welche hätten? Ja, selbstverständlich, werden Sie wahrscheinlich sagen. Es gibt doch eine Privatsphäre. Die steht doch bei uns jedem Menschen zu. Unser Staat schützt diesen Bereich doch sogar ausdrücklich durch Grundgesetz, Datenschutz und strafrechtliche Regelungen. Wir sind doch keine Bananenrepublik und auch keine Diktatur – wie z.B. damals in der DDR mit Stasi und so. Da konnte es doch schon mal sein, dass die Obrigkeit irgendwas „irgendwann von irgendjemandem“ hörte oder sich aus dem amtlichen Datenbestand besorgte und dann das Gehörte oder Besorgte gegen jemanden einsetzte. Bei uns – so werden Sie jetzt vermutlich sagen- gibt es schließlich eine Trennung zwischen den  öffentlichen Angelegenheiten, dem also, was jedermann wissen kann oder auch wissen sollte und den Privatangelegenheiten, wo das eben nicht zutrifft. Welche Privatangelegenheiten?   Ja, sagen wir mal, die Zahl unehelicher Kinder, die Höhe von Schulden, die Anzahl von Punkten in Flensburg, Krankheiten, was man abends in seiner Wohnung macht, was in Briefen und E-Mails steht, wohin man in den Urlaub fährt, wie viele Häuser und Wohnungen man besitzt, bei wem man was kauft, mit wem man verkehrt, wie viele Autos auf einen Namen angemeldet sind? Aha, das haben Sie sich gedacht, dass ich auf die Autos hinaus will? Man kann doch die Anzahl unehelicher Kinder nicht mit der Anzahl von Fahrzeugen vergleichen, wenden Sie jetzt vielleicht ein. Moralisch wohl nicht. Der Grad der Empörung beim Verrat ist sicher unterschiedlich. Rechtlich macht das aber keinen Unterschied und zwar aus guten Gründen.

 Foto: Gerhard Giebener (Pixelio)Foto: Gerhard Giebener (Pixelio)

Früher war es so, dass, wenn jemand wollte, dass etwas von allen gewusst wird, dann hat er es seinem Friseur erzählt – dann wusste es am nächsten Tag jeder. Aber Beamte hingegen – so war man sich sicher – schwiegen über amtliche Angelegenheiten wie ein Grab. Nicht nur, weil es so vorgeschrieben war – nein, es war Ehrensache in der Tradition preußischer Tugenden.

Heutzutage kann ich persönlich über meinen Friseur sagen: Er hält dicht.

Vielleicht hätte ich gleich eine härtere Gangart gegen den Stadtbaurat wählen sollen. Aber ich habe gedacht, sein Chef wird die Sache schon gerade ziehen und vielleicht mal sein Bedauern ausdrücken. Hat er nicht . Das ist wiederum bedauerlich. „Kein Format“, hätte mein Vater gesagt. Leider hatte ich ihn gewählt. Habe Kurt dafür schon um Entschuldigung gebeten. War wohl nichts mit Bürgernähe und Souveränität und auch das Ministerium irrt hier wohl. Es schrieb schon am 29. September:

„Sehr geehrter Herr Harms, mit Schreiben vom 15. 09.2014 haben Sie eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Dezernenten der Stadt Hildesheim, Herrn Dr. Kay Brummer, eingereicht. Sie werfen ihm vor, nicht allgemein bekannte Informationen über Sie verbreitet zu haben, die ihm im Rahmen seiner dienstlichen Tätigkeit bekannt geworden seien. Ihr Schreiben hat Herrn Minister Pistorius vorgelegen. Er hat mich gebeten, Ihnen zu antworten. Die Bearbeitung von Dienstaufsichtsbeschwerden obliegt dem jeweiligen Dienstvorgesetzten. .....Ich gehe davon aus, dass sich der Oberbürgermeister Ihrem Anliegen annehmen wird und Sie von ihm baldmöglich weitere Nachricht erhalten werden.“

Falsch eingeschätzt. Bislang keine Nachrichten. Aber eventuell bin ich zu negativ eingestellt. Vielleicht will man mir die Antwort auf meinen Brief ja auf den Gabentisch legen. Schauen wir mal. (30.11.2014) Jens Harms